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01
APR
2018

Neubauprojekt: Archäologischer Fund erfordert Neuplanung

Nun ist es also amtlich: Die Pläne für den Schulneubau an der Grundschule Heinrichstraße sind hinfällig und müssen grundlegend überarbeitet werden. Wie erst jetzt bekannt wurde, haben bereits vor einigen Wochen Mitarbeiter einer Garten- und Landschaftsbaufirma bei Aufräumarbeiten im Bereich des abgebrannten Pavillons einen historischen Fund gemacht. Was man auf den ersten Blick für einen gewöhnlichen Erdhaufen halten könnte, entpuppte sich schnell als ein Maulwurfshügel aus dem Mittelalter.

Nach kurzfristiger Beratung mit dem Amt für Denkmalpflege reagierte Frau Piehl vom Immobilienservice und beauftragte umgehend ein archäologisches Fachunternehmen mit den Ausgrabungsarbeiten. Bereits nach wenigen Tagen wurde deutlich, dass es sich um die Behausung eines längst ausgestorbenen mittelamerikanischen Mammutmaulwurfes handelt. Trotz heftiger Proteste aus der Schulpflegschaft heißt es jetzt: Baustopp und Neuplanung!

archäologischer Fund

Uwe Alex, Leiter des Amtes für Kinder, Jugend und Schule zeigt Verständnis für die Entscheidung des Immoblilienservices: „So bitter es auch ist, aber hier greift das Denkmalschutzgesetz des Landes NRW. Bei dem Maulwurfshügel handelt es sich um ein sogenanntes Bodendenkmal und gilt als Zeugnis tierischen Lebens.“ Pressesprecher Volker Wiebels ergänzt: „In diesem Fall spielt es keine Rolle, dass der Mammutmaulwurf eigentlich nicht aus unseren Breitengraden stammt und der Hügel viel zu groß für das Gelände einer Grundschule ist. Die Belange des Denkmalschutzes sind bei öffentlichen Planungen zu berücksichtigen. Hier gilt Maulwurfrecht vor Baurecht.“

Jetzt ist also Peter Schnatmann gefragt. Der Mülheimer Architekt, der seinerzeit den Erweiterungsbau für die Schule in liebevoller Detailarbeit geplant hatte, zeigt sich dennoch zuversichtlich, die neuen Rahmenbedingungen entsprechend in die Planungen integrieren zu können: „Heutzutage ist es durchaus üblich Schulneubauten um Bäume herumzubauen. Warum soll das nicht auch mit einem Maulwurfshügel gelingen?“

Die erste Entwurfsplanung hat er nun vorgelegt. Frau Piehl wirbt um Verständnis: „Natürlich muss die Schule jetzt Abstriche machen.“ So müssen die Kinder auf neue Klassenräume ebenso verzichten wie auf einen Musik- oder Computerraum. Dafür erhält die Schule eine deutschlandweit einzigartige etwa 300 m² große überdachte Minigolfanlage. „Die Anlage wird 18 Bahnen umfassen und allen modernen Standards des deutschen Minigolfverbandes entsprechen“, erklärt Piehl. Dabei soll der Mammutmaulwurfshügel nach den Vorstellungen des Architekten das gestalterische Highlight der Anlage werden und gleichzeitig als Zielpunkt der letzten Bahn dienen. „Wir werden über die Maulwurfsgänge den Anschluss an den bestehenden Baukörper herstellen. Die historischen Maulwurfsgänge bleiben erhalten und werden detailgetreu so verlängert, dass die Minigolfbälle von Bahn 18 schließlich direkt in der Schreibtischschublade der Hausmeisterin im Bestandsgebäude landen“, präsentiert Schnatmann seine Pläne.

Bahn 18

Heike Freitag vom Schulamt zeigt sich mehr als angetan. „Minigolf fördert Konzentration, Geschicklichkeit und soziale Kompetenzen“, erklärt die Schulamtsdirektorin, „Damit werden an der Heinrichstraße die Weichen für die Zukunft gestellt.“ Großen Zuspruch findet das Projekt auch beim Mülheimer Sportbund. „Wenn alles nach Plan läuft, können bereits im Schuljahr 2019/20 die ersten Stadtmeisterschaften im Grundschulminigolf an der Heinrichstraße stattfinden“, so Anette Michels vom Ausschuss für den Schulsport.

Die Schule hat in der Zwischenzeit schon mit den personellen Planungen begonnen. Während Englischlehrer Bradshaw bereits eine Minigolf-AG anbietet, wird wohl Gaby Baumers die Betreuung der Anlage übernehmen. Da sie sich neben ihrer Tätigkeit als Beratungslehrerin auch für den Bereich der positiven Verstärkung verantwortlich zeichnet, sollen künftig alle Kinder, die Bahn 18 mit einem einzigen Schlag beenden, bei Frau Zimmermann wahlweise einen Gratiskakao oder einen Hausaufgabengutschein erhalten.

Schlussendlich wird auch das Betreuungsproblem der Schule mit der Fertigstellung des Neubaus der Vergangenheit angehören. Meergruppe und Weltraumgruppe, die nach dem Brand vor zwei Jahren übergangsweise im Keller untergebracht sind, werden demnächst zur neuen „Mammutgruppe“ zusammengefasst und künftig auf der Minigolfanlage betreut. Mit einem Betreuungsschlüssel von 3,3 Kindern pro Bahn wird die Schule damit endlich alle Anforderungen an einen „Guten Ganztag“ erfüllen.

Guter Ganztag